The Project Gutenberg EBook of Deutsche Freiheit, by Rudolf Eucken

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Title: Deutsche Freiheit
       Ein Weckruf

Author: Rudolf Eucken

Release Date: March 23, 2014 [EBook #45191]

Language: German

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Deutsche Freiheit

Ein Weckruf

von

Rudolf Eucken


[Verlagslogo]

1919

Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig




Thesen.


1. Das deutsche Volk hat in der Vergangenheit eine ihm eigentmliche
_geistige_ Freiheit in Religion, Moral, Erkenntnis und Kunst in
unvergleichlicher Weise gezeigt.

2. Bei vielfacher politischer Rckstndigkeit droht uns Deutschen
_politische_ Unfreiheit vor allem von seiten einer radikalen Demokratie
und des Sozialismus.

3. Es ist eine Hauptaufgabe der Zukunft, unter voller Wahrung und
Vertiefung der _inneren Freiheit_ echte _politische Freiheit_ in unserem
Vaterlande zu entwickeln.




ber die deutsche Freiheit zu reden, das kann in diesen Tagen gewagt, ja
vermessen dnken, wo Deutschland schwer gelhmt, von bermchtigen
Gegnern unterdrckt und in seiner Kraft durch inneren Zwist gebrochen
darniederliegt; es wre ein solches Unternehmen in Wahrheit tricht,
htte der augenblickliche Stand unseres Volkes das entscheidende Urteil
ber sein Ergehen und seine Bedeutung zu fllen, und bese nicht die
deutsche Art und die deutsche Geschichte einen tieferen Gehalt und eine
grere Kraft als unmittelbar vorliegt; nur eine solche berzeugung lt
uns Mut, Hoffnung, ja Zuversicht inmitten aller Trbsale schpfen; sie
gibt uns zugleich das Vertrauen, da die deutsche Freiheit kein bloes
Wahnbild ist, ja da sie nicht nur uns selbst, sondern auch dem Ganzen
der Menschheit unentbehrlich ist. Ist das aber der Fall, so mu und wird
sie sich irgendwie gegen alle Hemmungen durchsetzen, die Menschen aber
mssen ihr bewut oder unbewut dienen.

       *       *       *       *       *

Zunchst sei der Freiheitsgedanke in seinen weltgeschichtlichen
Zusammenhngen kurz gewrdigt; wir werden sehen, da auch das deutsche
Leben ihm eng verbunden ist. Alles heutige Streben nach Freiheit ist ein
Ausflu der Bewegung, welche die gesamte Neuzeit durchdringt und sie von
anderen Epochen deutlich abhebt. Galt im Altertum und im Mittelalter
das Weltall mit seinen ewigen Sternen und mit ihm der menschliche
Lebenskreis als ein festbegrndetes und geschlossenes Ganzes und schien
dieses Ganze alles Menschliche zu binden und zu lenken, so wird nun zum
leitenden Gedanken ein Reich der Freiheit mit seiner unermelichen
Flle; die Ordnung aber tritt erst an die zweite Stelle. Nunmehr wird
alle Wirklichkeit in Flu versetzt und zu rastloser Bewegung angehalten;
es verbindet sich damit eng der Gedanke eines unbegrenzten Fortschritts
zu immer weiteren Hhen; so wird nunmehr das Wachstum des Lebens, die
Kraftsteigerung, zum hchsten aller Ziele. Hier heit es: Immer mchte
der Mensch, was er erkennt, mehr erkennen, und was er liebt, mehr
lieben, und die ganze Welt gengt ihm nicht, weil sie sein
Wahrheitsverlangen nicht stillt (Nikolaus von Cues).

Alle Gren und Werte werden dadurch umgewandelt, alle Ruhe wird als
etwas Starres und Totes ausgetrieben. Das Werden und Sichselbstgestalten
erhlt eine unbeschreibliche Freude, es scheint alle frheren Zeiten
weitaus durch Kraft, Frische, Wahrheit zu berragen. Solches
Flssigwerden der ganzen Wirklichkeit erzeugt einen eigentmlichen
Begriff des Modernen und gibt ihm das stolze Gefhl einer unbedingten
berlegenheit. Diesen Grundcharakter der Neuzeit hat jedes Streben zu
wrdigen, das nicht hinter dem Geist der Zeit zurckbleiben und
erfolgreich zu den Zeitgenossen wirken mchte. Wie viele Probleme aber
der Gesamtbegriff der Freiheit enthlt, das lt sich hier nur nebenbei
andeuten.

       *       *       *       *       *

Eine nhere Betrachtung der Freiheit hat die politische oder nationale
und die geistige Freiheit deutlich voneinander zu scheiden, jene bezieht
sich auf das gesellschaftliche Zusammensein der Menschen, diese auf den
inneren Stand der Seele. Die politische Freiheit verficht die
selbstndige Teilnahme der einzelnen Volksgenossen am Ganzen des Staates
und seiner Regierung, die geistige erstrebt eine Selbstndigkeit und
Ursprnglichkeit des Lebens im Ganzen der Seele; beides kann weit
auseinandergehen, ein politisch Freier kann geistig gebunden, ein
geistig Freier politisch abhngig sein; da eine derartige Scheidung
einen schweren Mangel bedeutet, ist ohne weiteres klar.

       *       *       *       *       *

Die Deutschen hatten so lange kein politisches gemeinsames Leben, als
das alte Reich zerfallen war; Deutschland war damals mehr eine
ethnographische als eine politische Einheit. Erst im 18. Jahrhundert
erwachte ein Streben darnach, aber auch die gewaltige franzsische
Umwlzung rttelte hier nicht am berkommenen Stande des Ganzen, sie
hatte berwiegend einen literarischen und privaten Charakter, sie
forderte fr das persnliche Empfinden den freiesten Ausdruck und eine
Austreibung alles Zopfes und Zwanges im geselligen Leben, aber
politische und wirtschaftliche Fragen bewegten sie zunchst kaum.

Ein selbstndiges nationales und politisches Leben des ganzen
Deutschland erzeugten erst die Befreiungskriege; hher und hher stieg
damals die Hoffnung, die Einheit und die Freiheit Deutschlands in Einem
erreichen zu knnen; namentlich war die gebildete Jugend mit vielen
Volksgenossen bis 1866 von solchem Streben durchglht. Als dann aber
schlielich Bismarcks berragendes Genie das neue Deutschland schuf, da
erfolgte eine Scheidung der nationalen und freiheitlichen Bewegung; sie
war unter den gegebenen Verhltnissen wohl zwingend geboten, aber es war
fr den Verlauf unserer Entwicklung ein nicht geringer Schaden, da
jene Bewegungen nebeneinander verliefen, und da der nationale Aufstieg
nicht durch eine Krftigung der politischen Freiheit untersttzt wurde.
Die zahlreichen Reformen im einzelnen konnten bei aller Tchtigkeit
diesen Mangel nicht voll ersetzen; so verblieb die politische Macht in
der Hauptsache dem wohlgeordneten Beamtenstaate, der von oben her zu
regieren und die Staatsbrger mehr als Objekt denn als Subjekt der
Ttigkeit zu behandeln pflegte. Dies Beamtentum hatte unverkennbare
Vorzge, es war zuverlssig, gewissenhaft, sparsam -- lauter
Eigenschaften, die wir nach den jngsten Erfahrungen besonders schtzen
mssen--, aber es hatte wenig Unternehmensgeist, es verstand es nicht,
neue und schwierige Verhltnisse zu leiten, sondern nur im gewohnten
Lauf der Dinge seine Pflicht zu ben. Es besa namentlich nicht die
Gabe, die Gemter anzuziehen, es konnte leicht den Staat den Brgern
mehr verleiden als sie ihm gewinnen. Dazu bestand bei den Spitzen des
staatlichen Lebens oft wenig Teilnahme und wenig Kenntnis fr die
inneren Forderungen der Zeit, gelegentlich erschien eine erstaunliche
Unkenntnis der Menschen und Dinge, kurz diese Persnlichkeiten waren
nicht geeignet, schwierige und verantwortungsvolle Aufgaben selbstndig
zu lsen. Dazu das Hofleben mit seiner dnkelhaften Gespreiztheit und
seiner inneren Leere.

Bei der Gestaltung der Verhltnisse wurden wir im Technischen der
Verwaltung vortrefflich, in der hohen Staatskunst schlecht regiert, wie
die Leistungen unserer meisten Diplomaten handgreiflich erwiesen haben.
Es war ein arges Miverhltnis, da ein kraftvolles, frisch
aufstrebendes Volk an derartige Verhltnisse gebunden war, und da
wichtigste Entscheidungen ohne, ja gegen seinen Wunsch erfolgen konnten.
Viele tchtige Krfte blieben bei solchem Stande der Dinge zum Schaden
des Staates ungenutzt; im Gesamtbilde aber schien Deutschland in seinem
inneren Gefge minder frei als andere Staaten; wohl wurde das in den
Vorstellungen unserer Gegner oft arg bertrieben, und es wurde zugleich
verkannt, wie viel Deutschland an eigenartiger Freiheit besitzt, aber
nach den Meinungen anderer Vlker blieb es zurck. Bei solchen Fragen
aber ist auch der Schein eine Macht und eine Gefahr.

       *       *       *       *       *

Im literarischen Leben und Schaffen entstand ber die politischen Fragen
hinaus eine mimutige und verneinende Denkart, eine Lust, aller
berlieferung schroff zu widersprechen, daran sowohl eine bittere Satire
als einen kecken Spott zu ben, so in Religion und Moral, so in
Weltanschauung und Sitte. Das ergab eine gewisse geistige Freiheit, aber
diese Freiheit war berwiegend verwerfender und zerstrender Art, sie
konnte weder fruchtbare Schpfungen erzeugen, noch dem Menschen neue
Bahnen erschlieen oder ihn gem Schillers Mahnung von der Angst des
Irdischen befreien. Es war eine Freiheit mehr der zersetzenden Reflexion
als einer inneren Erhhung. Das Ganze unserer Denkart litt dadurch, da
eine vielseitige und formal gewandte intellektuelle Bettigung ohne ein
Gegengewicht politischen Lebens und Handelns blieb. Fr die Seele
unseres Volkes aber, die somit unter sich gegenseitig durchkreuzenden
Antrieben stand, war bei den meisten unserer Staatsmnner sehr geringes
Interesse und Verstndnis.

       *       *       *       *       *

Seinen Schwerpunkt hatte das deutsche Reich in einer glnzenden
technischen und wirtschaftlichen Kultur, es hat in dieser Richtung eine
groartige Arbeit geleistet, welche den ganzen Erdball umspannte und
alles mit ihren Fden durchwob. Aber diese in ihrer Weise erstaunliche
Kultur war bei all ihrer Weite innerlich begrenzt, sie war an erster
Stelle eine bloe Arbeitskultur, sie war vornehmlich darauf gerichtet,
die Welt um uns in den Dienst des Menschen zu ziehen und emsig daraus
Vorteile fr sich selbst zu gewinnen, aber sie bot seinem Innern recht
wenig, sie pflegte die Seele als eine bloe Nebensache zu behandeln und
sich wenig um eine geistige Freiheit zu kmmern. Das Ganze unseres
Volkes geriet durch solche einseitige Gestaltung des Lebens in eine
unerfreuliche Lage; hier hielten keine berlegenen Ziele den ganzen
Menschen aufrecht, hier gab es keine groen Ideale, kein krftiges
Empfinden. Das geistige Schaffen in Religion, Philosophie, Kunst und
Literatur war dem Grundgehalte nach recht drftig; so tchtig die
gelehrte Arbeit war, sie frderte nicht das Gedeihen eines schaffenden
und ursprnglichen Lebens, auch war sie geneigt, ihr eigenes
Selbstbewutsein stark zu berspannen und Wissen fr Leben zu geben; so
hatte das Ganze bei allem rastlosen Eifer und bereifer keinen
wesenhaften Gehalt, eine innere Leere war bei allem Geschick und bei
allem Aufputz nicht zu verkennen.

       *       *       *       *       *

Anfang 1914 habe ich eindringlich auf das Miliche, ja Gefhrliche
dieser seelischen Lage hingewiesen und in einer Schrift: Zur Sammlung
der Geister (Quelle und Meyer) die Schden dieser einseitigen
Arbeitskultur mit ihrer Zurckstellung der Seele geschildert; es hat
sich damals eine Anzahl Gleichgesinnter zur gemeinsamen Besprechung in
Darmstadt zusammengefunden, und wir waren einig, die Sache mglichst zu
frdern, bis der Ausbruch des Krieges die Ausfhrung derartiger Plne
verhinderte.

       *       *       *       *       *

Es gengt in Krze zu erwhnen, was wir alle bewut oder unbewut
miterlebten: das weitere und weitere Auseinandergehen von Arbeit und
Seele, deren enge Verbindung frher die Gre und der Stolz der
Deutschen war, das stndige Anwachsen der ausschlielichen
Arbeitskultur, die Gleichgltigkeit des Arbeiters fr seine Werke, die
gegenseitige Entfremdung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, --
Entfremdung auf allen Punkten und in allen Schichten, auch in der
Weltanschauung, bis das Ganze in vllig getrennte Lager zerfiel.

Da kam der Weltkrieg. Zuerst fhrte die gewaltige Aufregung und glhende
Begeisterung zur Einigung aller Parteien und Klassen; das groe deutsche
Reich war fr einige Zeit einig und erlebte grte Triumphe. Seele und
Arbeit kamen jetzt zu einer vollen Einigung. Aber nach und nach
erlschte das anfngliche Feuer, die Einigkeit der Gemter sank mehr und
mehr, bis das Reich dahin kam, wo es jetzt steht, niedergeworfen von
Feinden und mehr noch durch inneren Zwist zerrissen, zerfallen an Leib
und Seele.

       *       *       *       *       *

Wie aber wird es mglich sein, da wir uns aus so schweren Nten
erretten? Die nchste Hoffnung bildet unsere geistige Kraft mit ihrer
Freiheit, aber was haben wir unter einer solchen Freiheit zu verstehen,
und wie knnen wir sie suchen? Aus der vielfachen Verwirrung retten kann
uns am besten ein Blick auf unsere geistigen Helden, die in leuchtender
Klarheit und mit siegesgewisser Macht vor uns stehen.

Kein anderes modernes Volk hat eine solche Flle selbstwchsiger und
schpferischer Mnner wie die Deutschen hervorgebracht, religise Fhrer
wie Eckhart und Luther, Denker wie Leibniz und Kant, Dichter wie Goethe
und Schiller, Tonknstler wie Bach und Beethoven; diese Mnner haben
aus der grten Flle des Geistes gelebt, sie alle sind unwiderlegliche
Zeugnisse des Geistes und der Kraft fr unser gemeinsames Leben. Da
aber alle diese Mnner bei aller Verschiedenheit die geistige Freiheit
als ihr hchstes Gut erklrten, das darf uns als ein erhebendes Zeichen
dafr gelten, da unser Volk in besonderem Mae das Vermgen
ursprnglicher geistiger Freiheit hat, und da es sich dadurch auf
weitere Hhen emporheben, sowie sich aus tiefster Not retten kann. Eine
groe Offenbarung des Lebens hat sich bei uns vollzogen; halten wir sie
mit voller Kraft fest und schpfen wir immer neuen Mut aus ihr!

       *       *       *       *       *

Als den Hauptfhrer des deutschen Lebens zu einer religisen Freiheit
drfen wir Luther betrachten, natrlich unter Fernhalten alles
Zuflligen und blo Konfessionellen. Was war der Ausgangspunkt seines
Strebens? Es war ein heiliger Ernst um die ewigen Gter und zugleich um
die Rettung der eigenen Seele, es war ein glhender Zorn gegen das, was
ihm als eine Entstellung und Entartung der Wahrheit galt; das trieb ihn
zwingend zum Kampf gegen die ganze von seiner Umgebung geheiligte
kirchliche Ordnung, zugleich aber zur Rettung der geistigen Freiheit.
War es zufllig, da seine mchtigste Schrift von der Freiheit des
Christenmenschen handelte? Allem Zagen und Bedenken traten hier die
markigen Worte entgegen: rgernis hin, rgernis her, Not bricht Eisen
und hat kein rgernis. Ich soll der schwachen Gewissen schonen, sofern
es ohne Gefahr meiner Seele geschehen kann. Wo nicht, so soll ich meiner
Seele raten, es rgere sich daran die ganze oder halbe Welt. Das
fordert Mut und Freiheit gegenber den Menschen, es fordert zugleich
eine innere Belebung und Erhhung des eigenen Wesens, es erffnet eine
neue Welt. Hier vollzog sich ein geistiges Wunder: das Erscheinen und
Durchbrechen eines in Gott begrndeten Lebens, als der Quelle des
persnlichen Lebens; dies Durchbrechen war eine dem Einzelnen weit
berlegene Macht, aber es war ihm zugleich eine eigene Tat und
Entscheidung, es gab ihm zugleich das Bewutsein einer vollen Freiheit
und Weltberlegenheit, es lie ihn vor allem Kirchlichen das Moralische
mit seiner schlichten Gre schtzen. Fr Luther war der Gottesgedanke
nicht blo eine jenseitige, aus berlegener Hhe gebietende Macht,
sondern die Seele seines eigenen Lebens, er gewann bei ihm die
unmittelbarste seelische Nhe, so da es heien konnte: Da nichts
Gegenwrtigeres und Innerlicheres sein kann in allen Kreaturen denn Gott
selbst.

Aus der ungeheuren Erschtterung steigt fr Luther durch berlegene
Liebe und Gnade eine neue Welt empor; je schwerer frher der Druck des
Feindlichen empfunden war, desto grer wird jetzt der Jubel ber die
Befreiung davon, und je peinlicher der Zweifel an der Rettung war, desto
freudiger wird jetzt ihre felsenfeste Gewiheit. Die Frmmigkeit aber
entwindet sich damit aller blinden und gedrckten Devotion, sie gewinnt
einen durchaus mannhaften Charakter. Nur eine derartige Freiheit kann
anerkennen, da alle Christen wahrhaftig geistigen Standes sind, da
ein Christenmensch ein allmchtiger Herr aller Dinge ist, so da es
heien kann: Es ist ein freies Werk um den Glauben, wozu man niemand
zwingen kann. Aus solcher berzeugung heit es: Gottes Wort ist unser
Heiligtum und macht alle Dinge heilig, aus ihr quillt unendliche Kraft
und Frische, denn das Wort Gottes kommt, die Welt zu verndern und zu
erneuern, so oft es kommt.

Die Freiheit, welche hier entsteht, hat nichts mit Willkr zu tun, sie
hat eben in der Freiheit oder besser in der Welt der Freiheit einen
unwandelbaren Grund, sie ist nicht eine naturhafte, sondern eine
geistige, eine schaffende Freiheit. Der Kern des ganzen Strebens ist
hier zusammengefat in die kurzen Worte: Frei, christlich, deutsch.

       *       *       *       *       *

Diese Freiheit ist mehr als eine bloe Privatsache, sie hat ein Reich
der Innerlichkeit, ein Reich des selbstndigen und persnlichen Lebens,
eines weltberlegenen von Gott erfllten Lebens bei uns erbaut; sie hat
ein innigeres Verhltnis zu Gott und zugleich zum Ganzen der
Wirklichkeit geoffenbart, sie wirkt mit solcher Art mchtig in die
Seelen der Menschen, keineswegs allein der Deutschen. Sie bekundet sich
so in der Musik eines Bach, auch in der Innigkeit des protestantischen
Kirchenliedes; sie hat sich weiter in unseren groen Dichtern und
Denkern unserer klassischen Kultur verkrpert, sie ist mit ihrer
geistigen Kraft und mit ihrem sittlichen Ernst eine unerschpfliche
Quelle des gesamten deutschen Lebens. Und diese geistige Freiheit, diese
Kraft, dieses ursprngliche Leben sollte fr die Gegenwart verloren
sein, es sollte aufhren, das gemeinsame Streben zu erhhen?

       *       *       *       *       *

Was Luther in der Richtung zur Religion, das hat Kant in der zur Moral
vollzogen: die Erhhung des Lebens zu einer selbstndigen Welt in dem
eigenen Reich der Seele, zu einer Welt echter geistiger Freiheit. Die
Moral ist ihm nicht eine Leistung fr den Zustand des Einzelnen, auch
nicht fr die menschliche Gesellschaft, auch nicht eine bloe
Unterordnung des Menschen unter Gott als eine uere Ordnung, sondern
das Beleben des eigenen Wesens zu voller Selbstndigkeit. Eine derartige
Moral ist so streng wie nur mglich, aber als aus eigenem Wollen und
Entschlieen entsprungen und fortwhrend dadurch getragen, ist sie
zugleich ein Werk hchster Freiheit, ist sie die Selbstbestimmung des
vernnftigen Wollens. Auch ist sie nicht eine bloe Summe einzelner
Vorschriften, sondern die Schpferin einer neuen Ordnung; diese aber ist
es allein, welche dem Leben einen Wert verleiht. Denn sie bewirkt bei
uns eine Befreiung vom Mechanismus der bloen Natur und gibt uns die
Gre eines Gesetzgebers. Hier gewinnt der Mensch ein unsichtbares
Selbst in seiner Persnlichkeit, er wird zu einer Welt, die wahre
Unendlichkeit hat. Zugleich erreicht er eine sichere berlegenheit
gegen alles Niedere, was an Naturtrieben in ihm liegt, eine
berlegenheit ber allen bloen Genu, berhaupt gegen alles
selbstisches Glck; einen unerschtterlichen Halt aber gibt ihm der
Grundbegriff der Pflicht, der freilich dann einen tieferen Sinn und ein
volleres Leben erhlt, als ihm eine mehr uerliche Fassung des Alltages
zu geben pflegt. Der Mensch gewinnt nun als der Trger des sittlichen
Gesetzes eine Autonomie, die ihn weit ber alle andere Wesen erhebt
und ihm eine unvergleichliche Gre und Wrde verleiht.

Diese Selbstttigkeit der Vernunft bedeutet aber fr Kant die letzte
Tiefe der ganzen Wirklichkeit, sie ist nach seiner berzeugung nicht an
besondere Bedingungen des Menschen geknpft, sondern sie gilt
gleichmig fr alle Vernunftwesen; sie ist hier kein besonderes Gebiet
innerhalb einer weiteren Welt, sondern der Ursprung einer neuen Welt.
Sie schafft sich ein eigenes Reich der Freiheit, das sein Recht und
seinen Wert ganz und gar in sich selbst hat und keiner Besttigung,
keiner Befestigung von auen bedarf; so hindert hier nichts den
Menschen am Besitz einer weltberlegenen schpferischen Freiheit.

       *       *       *       *       *

Diese Grundgedanken sind von Fichte wie von Schiller weiter ausgefhrt.
Fr Fichte war die Kultur die bung aller Krfte fr den Zweck der
vlligen Freiheit; als die hchste Aufgabe gilt ihm die, da der Mensch
sich mit Freiheit zu dem bilde, was die Natur bei ihm angelegt hat; alle
Erziehung gilt ihm nur als eine Aufforderung zu freier Selbstttigkeit,
zur vollen Mndigkeit; wenn er die Gleichheit alles dessen verlangt, was
Menschengesicht trgt, so verherrlicht er damit keineswegs die bloe
Natur, sondern er begrndet solche Schtzung lediglich aus der Vernunft
und dem sittlichen Gesetz; nur von dieser kann es heien: vor dem
Sittengesetz ist das Menschenleben berhaupt von gleichem Wert. -- Der
eifrigste Dichter der Freiheit aber war Schiller; es ist bezeichnend fr
unser Volk, da in der Reclamschen Sammlung die hchste Auflage der
ganzen deutschen Literatur der Wilhelm Tell erhalten hat.

Diesen Mnnern bedeutet die Befreiung zugleich eine Bindung, aber eine
Bindung, die nicht von auen auferlegt ist, sondern aus dem eigenen
Wollen und Wesen entspringt, und die dem Menschen eine unendliche Kraft
verleiht. Eine derartige berzeugung entspricht der geistigen Art des
Deutschen; die gewissenhafte, ja strenge Fassung der Pflicht mit ihrer
Erhebung ber alles bloes Belieben und ber alle bloe Neigung, auch
ber allen bloen Nutzen, ist ihm unentbehrlich. So zieht sich der
Pflichtgedanke als eine Gromacht durch das ganze deutsche Leben; wrde
seine Macht gebrochen, so wre es um uns und um unsere geistige
Selbsterhaltung geschehen. In dem Grundgedanken der Ttigkeit gehen
aber die leitenden deutschen und die griechischen Denker weit
auseinander. Diese setzen das Handeln in eine bereinstimmung mit einer
geschlossenen, vom Menschen nur abzubildenden Welt, die Deutschen
dagegen suchen in jenem etwas, das an keine fremde Welt gebunden ist und
lediglich aus seiner eigenen Unendlichkeit schpft, lediglich auf sich
selbst steht. So bertrifft die deutsche Art augenscheinlich die
griechische in der Fassung und Schtzung der Freiheit.

       *       *       *       *       *

Die geistige Freiheit deutscher Art erweist sich weiter in einer
eigentmlichen Gestaltung des erkennenden Denkens. Das deutsche Denken
trgt den Charakter der Freiheit, insofern es sich nicht damit begngt,
eine gegebene Welt festzustellen und zu ordnen, da es vielmehr die
ganze Wirklichkeit an sich zu ziehen und sie in einen eigenen Besitz zu
verwandeln strebt. Daraus entsprang ein gewaltiges Ringen, die Welt von
innen her zu durchleuchten, hier galt es nicht eine Anzahl der Lehren
aufzustellen, sondern ein Ganzes der Gedankenwelt in schpferischem
Entwerfen aufzubauen und dadurch alles Empfangene umzuwandeln. Demnach
waren die deutschen Systeme nicht bloe Lehrsysteme, nicht blo
intellektuelle Leistungen, sondern sie waren Weiterbildungen der
Wirklichkeit, sie waren innere Belebungen dieser Welt. So hat das
deutsche Denken tief auf den Stand des deutschen Lebens gewirkt, es hat
etwas Neues aus dem Menschen gemacht und alle Verzweigungen des Lebens
ergriffen. Ihm wurde das Erkennen aus einem Aufnehmen einer fremden Welt
zu einem Erkennen des eigenen Vermgens und der eigenen Bewegung des
Geistes, zu einem Selbsterkennen grten Stiles. Die leitende Idee des
Ganzen aber war dabei die der Freiheit, sie sollte alles Fremde und
Dunkle vertreiben, alle Wirklichkeit in lichte Klarheit erheben; nur
eine solche schien dem Denken und Leben echte Wahrheit zu geben. Gewi
war mit dieser Khnheit des Unternehmens viel Gefahr verbunden, aber in
diesen Dingen alle Gefahren meiden, das heit auch auf alle Gre
verzichten; so gewi wir als gute Deutsche auf einem echten und
durchdringenden Erkennen bestehen, so gewi ein Stck Faustnatur in uns
steckt, so gewi werden wir mit Hegel ein gebildetes Volk ohne
Metaphysik fr einen Tempel ohne Allerheiligstes erklren. -- Die
spekulative Philosophie als Metaphysik ist aber nur der Hhepunkt eines
durchgehenden deutschen Strebens. Dies Streben geht nicht an erster
Stelle auf den Nutzen, den das Wissen und Erkennen dem Menschen gewhrt,
sondern es behandelt jenes als einen Selbstzweck, der die vollste Freude
in sich selbst trgt. Mit welchem Eifer und mit welcher Hingebung war
der Deutsche um die Erweiterung des Wissensbereiches bemht, wie viele
Mhe und Opfer hat er dafr dargebracht! Er ertrgt es nicht, die Welt
als etwas Fremdes zu behandeln, er will im Ganzen der Wirklichkeit zu
Hause sein und dadurch geistige Freiheit erringen.

       *       *       *       *       *

Die deutsche Freiheit erweist sich weiter in der Gestaltung des
knstlerischen Schaffens. Sie will den Menschen nicht nur ergtzen und
angenehm unterhalten, sie gewinnt ihn nicht durch blendende oder
einschmeichelnde Eindrcke, auch nicht durch strenge Formen und Gesetze,
sondern an erster Stelle ist sie bemht, der Seele neue Quellen des
Lebens zu erschlieen, ein Ganzes der Welt von innen heraus zu bauen,
sich rein in die Entfaltung des Lebens zu versetzen und dieses in einen
vollen Aufstieg zu bringen, mehr und mehr verborgene Tiefen aus ihm zu
entdecken. Die deutsche Kunst mchte den Menschen sich selbst innerlich
nher bringen, sie begleitet ihn treulich in alle Probleme und Kmpfe
des Lebens, sie mchte ihm den tiefsten Sinn seines Lebens enthllen. So
hat vornehmlich die deutsche Musik eine durchdringende innere Befreiung
der Seele vollzogen, sie hat nicht blo vorhandene oder naheliegende
Gefhlslagen dargestellt, sondern sie hat neue Werte erzeugt, neue
Zusammenhnge gebildet, ein unbegrenztes Vermgen des Vordringens und
des Bewltigens erwiesen. Daher ist die deutsche Musik kein
nebenschlicher Anhang, sondern ein Hauptstck des deutschen Lebens, ein
Hauptweg, die Welt dem Geist und seiner Freiheit zu unterwerfen.

Ebenso wurde auf der Hhe unseres klassischen literarischen Schaffens
die Kunst zum Trger einer Welt der Freiheit, sie strebte dahin, den
Menschen von aller Schwere des Stoffes zu befreien, alle
Mannigfaltigkeit einem Ganzen einzufgen, die Grundgestalten der
Wirklichkeit klar und rein hervorzuheben, in dem allen aber den Geist
als das Herrschende und Durchwaltende zu erweisen. Wie dabei die Kunst
durchgngig der Freiheit dient, so hat namentlich Goethe befreiend zu
den Menschen und den Dingen gewirkt; wenn er selbst sein Lebenswerk in
Eins zusammenfate, so hat er es als ein Befreien erklrt, es war ihm
ein Befreien von aller engen Menschlichkeit, von aufdringlicher
Subjektivitt, von aller Enge der Parteien und Interessen, es war ihm
ein lauteres Enthllen der Natur und ein Entdecken ihres innigen
Zusammenhanges mit der Welt. Daraus entsprang die bekannte
gegenstndliche Art Goethes, sie schiebt kein Fremdes zwischen die
Seele und die Welt, sondern sie lt beide miteinander vertraut
verkehren, sie versteht es, die Seele in der Welt und die Welt in der
Seele zu finden. So wird die Wahrheit unmittelbar zur geistigen
Freiheit, der ganze Mensch aber wird in ein neues Verhltnis zur Welt
gehoben. Von der Kunst der Musik wie der Poesie strmt aber ein
eigentmliches Leben in das Ganze unseres Volkes ein; wie nahe sich bei
uns Dichtkunst und Musik berhren, das zeigt namentlich das Volkslied
und seine Stellung bei uns.

       *       *       *       *       *

So gewahren wir eine wunderbare Entwicklung der geistigen Freiheit im
deutschen Leben; verschiedene Arten der inneren Freiheit begegneten uns:
die religise des deutschen Glaubens, die moralische der deutschen
Gesinnung, die intellektuelle des deutschen Erkennens, die knstlerische
des deutschen Kunstschaffens; aber durch alle Mannigfaltigkeit geht ein
beherrschender Grundzug: durchgehend ist uns die Freiheit an erster
Stelle nicht eine verneinende, sondern eine bejahende Macht, wir wollen
die Religion nicht nur befreien, sondern sie vertiefen und durch die
Vertiefung im vollen Sinne erst gewinnen, wir wollen die Moral nicht nur
von ueren Fesseln befreien, sondern sie auf die Hhe voller
Selbstndigkeit und Ursprnglichkeit heben, wir wollen das Erkennen
nicht blo von ueren Schranken ablsen, sondern es zu einer hheren
Art fhren, wir wollen das Kunstschaffen nicht nur nicht an uere
Hemmungen oder niedere Stufen binden, sondern wir wollen es aus der
innersten Tiefe der Seele beleben.

       *       *       *       *       *

In solcher bejahenden Art liegt unmittelbar enthalten, da uns die
Freiheit nicht eine bloe Lebensform, sondern die Erffnung eines neuen
Inhalts ist, da sie groe Lebenstatsachen erweist, groe
Weltzusammenhnge offenbart. Die religise Freiheit gibt uns die
Gewiheit einer unmittelbaren Verbindung mit der weltbeherrschenden
Macht der Liebe, zugleich aber zeigt sie eine schroffe Kluft zwischen
dem naturhaften und dem geistig gehobenen Menschen, die Verneinung
selbst aber gibt uns die Gewiheit einer endgltigen freudigen Bejahung;
die moralische Freiheit hebt uns ber allen Mechanismus der bloen Natur
und auch des seelischen Getriebes hinaus, aber sie zeigt uns die
Erffnung eines neuen Lebensinhalts, der in einer Welt des persnlichen
Lebens gipfelt und uns die feste berzeugung von einem schaffenden
Beisichselbstsein der Wirklichkeit gibt; die intellektuelle Freiheit
befreit uns von dem Reich der Gegebenheit und Gebundenheit und
erschliet uns eine von Selbstttigkeit getragene Welt als den Kern der
Dinge; die knstlerische Freiheit offenbart uns einen unmittelbaren
Zusammenhang mit der gegenstndlichen Welt und entwindet uns damit der
Herrschaft des bloen Subjekts mit seinen schwankenden und leeren
Zustnden.

So wirken in der Freiheit groe Tatsachen, groe Lebensmchte,
Lebensprozesse, die hoch ber den Bestrebungen und Neigungen der
Individuen liegen. Alles zusammen versetzt uns aus dem bloen Dasein in
ein Reich des Schaffens, in eine Tatwelt; alles trgt hier insofern
einen ethischen Charakter, als es durchgngig einen Aufstieg zu einer
neuen Wirklichkeit, ja eine vllige Umwlzung vollzieht, sowie ein
Hindurchgehen durch ein entschiedenes Nein, ein Stirb und Werde
verlangt. So wird hier nicht nur der Standort des Lebens verndert,
sondern der Mensch selbst von Grund aus umgewandelt, er bildet nunmehr
nicht ein bloes Stck einer gegebenen Welt, sondern er wird ein
Teilnehmer, ja Mittrger der ganzen Welt; so kann es mit Leibniz heien:
In unserem Selbstwesen steckt eine Unendlichkeit, ein Fustapf, ein
Ebenbild der Allwissenheit und Allmacht Gottes. So erstreckt sich hier
das Leben als geistiges ber den einzelnen Punkt hinaus, der Mensch hat
nunmehr teil an der Unendlichkeit und Ewigkeit des Alls; er bedeutet
damit unvergleichlich mehr als ein bloes Stck einer natrlichen und
gesellschaftlichen Verkettung, er bildet eine Weltnatur; was gewhnlich
Welt heit, das erscheint damit als eine unendliche Welt der Welten.

Damit mssen sich alle Ziele und Werte des Lebens wesentlich erhhen,
damit mssen vllig neue Krfte entspringen, welche dem Vermgen des
Einzelwesens weit berlegen sind.

       *       *       *       *       *

Dies alles kann nicht ein Werk eines einzelnen Volkes sein, die ganze
Menschheit hat dazu gewirkt. Aber wir drfen ohne Selbstberhebung
sagen, da das deutsche Volk auf der Hhe seines Vermgens diese
wesenhafte und schaffende Art des Menschen besonders krftig und rein
herausgearbeitet hat, es hat mit besonderer Energie eine Befreiung des
Lebens nicht nach einzelnen Richtungen hin, sondern in seinem tiefsten
Grunde vollzogen, es hat den Menschen von sich selbst befreit, ihm ein
neues Grundverhltnis zum All erffnet, es hat etwas Wertvolleres aus
ihm gemacht.

Hier erst kann eine volle geistige Freiheit entstehen, sie ist
untrennbar von einer Welt der Freiheit. Insofern enthlt alles echte
deutsche Leben ein entschiedenes Bekenntnis von den letzten Grnden und
von unserer Stellung in der Welt. So verstanden aber hat das deutsche
Volk eine groe Aufgabe innerhalb des Ganzen der Menschheit; andere
Vlker mgen uns in anderen Richtungen bertreffen: im Reich reiner
Innerlichkeit und innerer Freiheit stehen wir einzigartig da; so wrde
die Verkmmerung und Vernichtung dieses Volkes fr die Menschheit einen
schweren Verlust bedeuten.

       *       *       *       *       *

Die Gre der vom deutschen Wesen vollzogenen geistigen Befreiung kann
demnach keinem Zweifel unterliegen. Aber gerade wer jene Gre vollauf
wrdigt, mu die Schwche der deutschen Art im Bereich des
gesellschaftlichen Lebens schmerzlich empfinden; ein starkes
Miverhltnis der beiden Hauptentwicklungen ist unverkennbar. Ist es
nicht bezeichnend fr uns, da die Hhepunkte des deutschen geistigen
Schaffens in trbe oder doch gespannte Zeiten fielen. Bald nach Luthers
Tod erfolgte der jhe Zusammenbruch des Schmalkaldischen Bundes im Kampf
gegen die spanische Macht, Kant verlebte mehrere Jahre unter der
russischen Militrgewalt, Goethe aber war bei aller liebenswrdigen
persnlichen Behandlung zeitweise den Franzosen politisch unterworfen.
Mochte das geistige Vermgen der Deutschen durch derartige Schicksale
nicht gebrochen werden, es war doch ein schwerer Mangel, da unser
staatliches Leben nicht fest auf sich selber stand, da die geistige
Gre einer entsprechenden politischen Grundlage entbehrte; so drohte
das Leben uns schroff auseinander zu fallen: einerseits war eine
berlegene Gre der reinen Innerlichkeit, das freie Schalten und Walten
ber unsichtbare Welten vorhanden, andererseits aber eine abhngige und
gedrckte Lage im sichtbaren Dasein. Wir hatten daher bis zur Gegenwart
kein groes gemeinsames Leben und keine ihm entsprechende Freiheit.
Unser Leben hat zunchst nicht die Ursprnglichkeit und die Festigkeit
der Gesinnung, welche den nationalen Zusammenhang als etwas
Selbstverstndliches behandelt. Ferner neigen wir in politischen Fragen
fortwhrend zu einer hchst bedauerlichen Uneinigkeit, sie schdigt aufs
schwerste unsere Leistung gegenber der Welt. Dazu kommen besondere
Schwchen unserer Art: wir leiden an Schwerflligkeit und
Umstndlichkeit, wir neigen dazu, Prinzipienfragen weit auszuspinnen,
wir sind ungeschickt, den Augenblick frisch zu ergreifen und voll zu
nutzen. Unsere vielgepriesene Grndlichkeit hat den Nachteil, uns mit
viel Ballast zu belasten; wir mssen ferner zugestehen, da nicht nur
die einzelnen Bevlkerungsklassen, sondern auch die verschiedenen
Kulturschichten bei uns einen greren Abstand voneinander zeigen als
bei anderen Vlkern; so kann sich uns auch das nationale und politische
Leben leicht als etwas Fremdartiges, knstlich Bereitetes darstellen. In
unserem Inneren haben wir viel Kraft gesammelt, wir verstehen es aber
schwer, sie nach auen hin zu wenden. Auch in den politischen Lehren
ergeben wir uns leicht dem berwiegenden Einflu fremder Vlker, und
verkennen wir oft, was uns eigentmlich und gro ist, was uns selbst
weiterbringen kann.

       *       *       *       *       *

Nehmen wir zu allem diesem die jngsten traurigen Erfahrungen unseres
Volkes, so kann das Urteil ber uns nur ungnstig lauten. Trotzdem
sollten wir nicht schlechthin von einer politischen Unfhigkeit des
deutschen Volkes reden. Es ist doch merkwrdig, da sowohl die Hollnder
als die Schweizer nach ihrer Absplitterung vom alten Reiche
ausgezeichnete politische Leistungen hervorgebracht haben; ferner aber
sind unsere einzelnen Stmme durchweg krftig und tchtig; es fehlt nur
eine feste Verbindung zu einem Ganzen, und das ist allerdings fr die
politische Aufgabe die Hauptsache. Aber wir drfen billigerweise auch
erwgen, da wir mit recht vielen Hemmnissen zu kmpfen hatten, wir
besaen eine zersplitterte und vielfach unglckliche Geschichte; wie
viel davon auf die eigene Schuld oder auf die Ungunst des Schicksals
kam, das ist schwer zu ermessen. Unsere Natur war mit manchen Mngeln
behaftet; wer aber ein Volk nicht als eine von bloer Natur gegebene
Rasse ansieht, sondern als einen lebendigen Strom des geschichtlichen
Lebens wrdigt, der braucht die Hoffnung auf die Mglichkeit eines
Aufstiegs nicht aufzugeben. Ein Volk, namentlich ein durch manche
Erfahrungen und Leiden gereiftes und gelutertes Volk, ist an erster
Stelle eine ethische Macht; es wird sich jetzt zu zeigen haben, ob wir
gengende Kraft und gengenden Mut aufbringen oder ob unser Schicksal
sich an uns durch unsere eigene Schuld erfllt. Verbleiben wir in der
klglichen Unentschlossenheit, die uns jetzt befallen hat, und
unterliegen wir der elenden Selbstsucht, die nur darauf denkt und sinnt,
ob die Einzelnen oder die Parteien aus dem erschtternden Schiffbruch
mglichst viele Vorteile fr sich selbst ziehen, so ist uns nicht zu
helfen. Erwachen wir aber endlich aus der jetzigen Trgheit und der
berwiegenden Selbstsucht, kommen wir endlich durch das berwltigende
Unglck zum Bewutsein unserer Tiefe und unserer Kraft, so drfen wir
hoffen, trotz aller Hemmungen uns und unser Volk zu retten. Diese
Rettung ist fr uns die alles berwiegende Sorge; nur wenn sie gelingt,
wird es mglich sein, die reichen Schtze, welche das deutsche Volk im
Laufe der Jahrhunderte, ja der Jahrtausende gesammelt hat, in vollen
Eigenbesitz zu nehmen, nur so wird es mglich sein, da geistige und
politische Freiheit bei uns sich zusammenfinden, und das, was jene
gewirkt hat, auch dieser zugute kommt. Vor allem aber ist es notwendig,
da die ethischen Mchte, welche in unserem Volke schlummern, vollauf
erwachen und ihre Selbstndigkeit erweisen. Dann -- und nur dann --
behlt Luther Recht mit dem Wort: Wo Mut bleibt, da folgt auch die Tat
gewilich, dann mgen wir auch seines Wortes gedenken: Obrigkeit
ndern und Obrigkeit bessern sind zwei Dinge. Viel Groes und Schnes
war in uns angelegt, und wir hatten auch viele Arbeit darauf verwandt;
wir durften hoffen, da sich unsere geistige Freiheit krftiger in
unserem gemeinsamen Leben verkrpere, die politische Freiheit aber sich
ber die bloe Tagespolitik vertiefe, beides aber miteinander die
Freiheit des ganzen Menschen frdere. Wir durften hoffen, da das Ganze
unseres Volkes zu einer lebendigen Persnlichkeit, nicht einem bloen
Zweckverband, wachse; wir durften hoffen, da wir durch ein
Zusammenarbeiten geistigen Schaffens und politischer Ttigkeit einen
eigentmlichen, auch den anderen Vlkern wertvollen Typus des Lebens
erzeugen wrden, nicht blo fr die Gegenwart, sondern fr die Kette der
Jahrhunderte; nun aber ist alles Groe und Erhhende, wenn auch nicht
verloren, so doch aufs rgste gefhrdet. Was ist nun an erster Stelle zu
tun, um dieser unertrglichen Lage zu entgehen?

       *       *       *       *       *

Wir flchteten uns an erster Stelle zu dem Gedanken der Freiheit, der
von Anfang an unser Leitstern war; er hat durch die Erfahrungen und die
Nte der Zeit eine besondere Frbung gewonnen. Um unsere Freiheit zu
entwickeln und von hier aus die rechten Wege zu finden, bedarf es
zunchst einer Befreiung von der Enge und von dem Druck, wodurch das
bliche Parteiwesen uns hemmt und unsere Krfte schwcht. Parteien sind
unentbehrlich, um das staatliche Leben in Flu zu halten und seinen
Bewegungen Macht ber die Menschen zu verleihen; sie sollen uns
willkommene Mittel und Hilfen sein. Zu einer Gefahr aber werden sie,
wenn sie den ganzen Menschen unter sich ziehen, wenn sie seine
berzeugungen und, was noch schlimmer ist, seine Interessen sich
unterwerfen. Parteien mu es geben, Parteimenschen aber sind ein
Unglck. Ein solcher Parteimensch betrachtet alles nur von seinem
Standpunkt aus, er dnkt sich nicht nur klger, sondern auch besser als
seine Gegner. Die Enge seines Gesichtskreises nimmt ihm alle
Mglichkeit eines gegenseitigen Verstehens; er vermengt ewige Werte und
bloe Augenblicksfragen; er behandelt das am meisten Problematische als
etwas Selbstverstndliches und umgekehrt das Selbstverstndliche als
etwas vllig Problematisches; er legt selbst in die Namen seine Affekte
hinein, indem er die eigene Sache mglichst emporhebt, die andere
mglichst herabsetzt. Die Vieldeutigkeit der Begriffe wird ihm ein
willkommener Anla, die eigene Fassung den anderen als unentbehrlich und
schlechthin vernnftig aufzudrngen. Wie schwankend und vieldeutig ist
heute z.B. der Begriff der Demokratie, und wie viel wird jetzt in den
des Sozialismus hineingelegt? So kann jeder Parteimann getrost seine
Netze ausbreiten, die Menschen, die sich darin fangen, sind stets in
groer Mehrzahl.

       *       *       *       *       *

Dies alles war von altersher eine groe Gefahr, heute aber droht es uns
ganz und gar in einen Stand der Unfreiheit zu versetzen. Es hat aber die
Unfreiheit sehr verschiedene Grade, sie ist um so grer und
selbstbewuter, je mchtiger sich eine Parteibewegung fhlt, sie wird
gemigter und bescheidener, wo sie in berwiegender Verteidigung
kmpft.

Bei den Aufregungen und Leidenschaften der Gegenwart erreicht das
Problem seinen hchsten Gipfel, wir werden sehen, wie sehr verschiedene
Grade der Unfreiheit daraus hervorgehen. Zunchst gilt es verschiedene
Arten der Unfreiheit zu unterscheiden; sie unterscheiden sich aber gem
den beiden Mchten, welche unser politisches, ja gesamtes Leben
beherrschen und zusammenhalten, das sind aber Ordnung und Freiheit.
Beide erzeugen entgegengesetzte Wirkungen, die Ordnung wird mehr
Hemmungen, die Freiheit mehr Beschleunigungen unserer Ttigkeit bringen;
wir wissen, wie auch unser krperliches Leben fr sein Wohlergehen
eines richtigen Verhltnisses von Hemmungen und Beschleunigungen bedarf.

Nicht anders steht es im politischen Leben, auch bei ihm lt sich von
gesunden und ungesunden Verhltnissen reden; wir knnen daran nicht
zweifeln, da wir uns heute in einem Stande bergroer Beschleunigung
befinden. Darnach bemit sich aber auch der Grad der Unfreiheit bei uns.
Es gibt eine Unfreiheit der Ordnung, sie hat in frheren Zeiten drckend
genug auf uns gelastet; es gibt aber auch eine Unfreiheit, die aus der
Freiheit selbst, aus einer verkehrten und falsch angewandten Freiheit
hervorgeht; diese im Namen der Freiheit gebte Unfreiheit ist
gegenwrtig weit gefhrlicher und verderblicher als die andere
Unfreiheit, sie sucht die Freiheit nicht sowohl von auen her zu
schdigen als sie von innen heraus zu zerstren. Es sind hier drei
Hauptgrade der Unfreiheit auseinander zu halten, wovon der erste der
Positiv, der zweite der Komparativ, der letzte der Superlativ der
Unfreiheit genannt werden knnte; da dieser Superlativ noch weiter
bertroffen wird, dafr sorgen bekanntlich die extremen Gruppen.
Betrachten wir nun etwas genauer, wie sich unter den gegenwrtigen
Verhltnissen die Schdigung der Freiheit und das berwuchern der
Unfreiheit bei uns ausnimmt.

       *       *       *       *       *

Unzweifelhaft war auf deutschem Boden die politische Ttigkeit durch
mannigfache geschichtliche Tatsachen und Mchte gebunden, so durch den
Staat, der aber doch nicht bloer Obrigkeitsstaat war, so durch die
stndische Gliederung, die aber doch nicht bloer Eigendnkel war, so
durch die kirchlichen berlieferungen und Einrichtungen, die aber doch
in vielen Herzen lebten, so berhaupt durch das Ganze einer vorhandenen
und eingewhnten Lebensordnung und Weltanschauung. Es war sicherlich in
unserem Leben manches ohne einen auslangenden Grund, manches schleppte
sich mhsam durch die Zeiten, eine grndliche Revision dieses Bestandes
wurde von vielen Seiten verlangt, unser Leben bedurfte einer gewissen
Verjngung, wir arbeiteten zu sehr mit altgewordenen Krften und lieen
schne Jugendjahre durch schwerfllige Einrichtungen nicht gengend
genutzt. Alles das hat manche Mistnde erzeugt, aber ist durch dieselbe
eine wesentliche Unterdrckung unserer Freiheit entstanden, lag es nicht
auch an den Einzelnen selbst, wenn sie zu wenig Mut und Kraft zu einer
freien Bewegung fanden? Gewi sind alle knstlichen Hemmungen ein bel,
es frgt sich aber, ob es nicht auch andere, unentbehrliche Hemmungen
gibt. Hier treibt es uns zwingend zu einem Urteil ber die moralischen
Bedrfnisse und das Verhalten des menschlichen Durchschnittes; die
erfahrenen Politiker und die Anhnger von abstrakten Theorien pflegen
dabei vllig auseinander zu gehen. Jene pflegen den Menschen als
berwiegend von Selbstsucht und Begier erfllt darzustellen, sie richten
darnach auch ihr eigenes Verhalten ein, so waren alle groen Politiker
als Praktiker entschiedene Pessimisten; jene Theoretiker dagegen
schmcken ihr Bild mit den glnzendsten Farben, natrlich nur sofern der
Betreffende ein Parteigenosse ist, denn der Gegner wird unbesehens zur
Hlle verdammt. Hat aber die politische Erfahrung recht, so wird die
Frage unvermeidlich, ob der Mensch nicht fr sein eigenes Wohlergehen,
ja fr seine Selbsterhaltung starker Hemmungen dringend bedarf. Alle
Erhebung ber die bloe Natur kostet Mhe und Arbeit, paradiesische
Zustnde sind ein gefhrlicher Traum. Wenn daher eine demagogische
Denkart dem Menschen eine solche Lage vorspiegeln und ihm alles
Hemmende, alle Strenge, alle Zucht als berflssig ausreden mchte, so
begeht sie einen Frevel am Menschen selbst, so wird sie zu einem
Zerstrer und Verderber. Aus derartigen berzeugungen werden wir ber
das, was berkommene Verhltnisse an Hemmungen enthielten, etwas anders
denken als jene Volksverfhrer. Prfen wir mit unbefangenem Urteil, was
von jenen Hemmungen fr die geistige Erhaltung des Menschen notwendig
war, und stellen wir dann mit gengender Klarheit und Entschiedenheit
fest, wie viel davon aus menschlicher Schuld hervorging. Sicherlich wird
dabei manches verbleiben, und es sei eine Unfreiheit dieser Art in
keiner Weise beschnigt. So viel ist aber gewi, da alles, was nach
dieser Richtung wirkt, heute bei weitem nicht so gefhrlich ist als die
Unfreiheit, welche aus der Freiheit hervorgeht, natrlich nicht aus der
echten Freiheit, wohl aber aus der unter der bloen Form und unter dem
Deckmantel der Freiheit verbten. So liegt hier heute die niederste
Stufe der Unfreiheit.

       *       *       *       *       *

Nunmehr kommen wir zur demokratischen Unfreiheit. Zunchst verwahren wir
uns dabei gegen die Meinung, als wten wir die Bedeutung und das gute
Recht der Demokratie nicht zu schtzen. Wir wrdigen vollauf die
Bedeutung der freien Bewegung und der freien Bettigung des Individuums,
wie sie einen Hauptzug der Neuzeit bildet, wir verkennen auch nicht den
Reichtum von Bildungen, welche auf dem Boden der Demokratie mglich
sind, -- schon Aristoteles hat uns darber sorgfltig berichtet, -- wir
wissen auch, wie glcklich besondere Arten der Demokratie, wie z.B. die
schweizerischen, gewirkt haben. Aber hier handelt es sich zunchst um
die Demokratie, die in unseren Grostdten, vor allem in Berlin,
entstanden ist, und von diesen Berliner Demokraten knnen wir kein Heil
fr die Freiheit erwarten. Auf den ersten Blick mag es ja scheinen, als
knne von der Freiheit keine Gefahr der Unfreiheit entstehen, in
Wahrheit kann sich die vermeintliche Freiheit in eine arge Unfreiheit
verwandeln in der Hand der Menschen und durch ein Zusammenwirken der
Verhltnisse; man mchte dabei des bekannten Wortes Rousseaus gedenken,
da alles gut von Natur an uns kommt, alles aber unter unseren Hnden
entartet. Mehr als in einer anderen Zeit erfolgt nmlich ein ungeheures
Zusammenhufen, ein Zusammenballen ungeschiedener Massen, der Mensch
erfhrt hier keinen Druck von auen her, um so mehr erfhrt er ihn durch
das gesellschaftliche Zusammensein; dieses erweist sich als eine weit
berlegene Macht, der der Einzelne sich unbedingt unterwerfen mu.
Tausendfach sind die Wege und Mittel, durch welche die Gesellschaft ihre
Macht ausbt. Sie tut das vornehmlich durch die Presse, sie tut das so
unmerklich, da der Leser gar nicht bemerkt, da er durch sein Blatt
bestimmte Ziele und Werte aufnimmt; so denkt weniger er selbst, als da
er seine Zeitung fr sich denken lt. Zugleich aber wirken bestimmte
Parteitendenzen, sie ziehen den Einzelnen so geschickt ins Garn, da er
willenlos zum gehorsamen Diener einer Partei wird. Dabei pflegt bei uns
Deutschen -- vielleicht mehr als bei anderen Vlkern -- eine besondere
Lebens- und Weltanschauung zusammenzugehen; es hat hier namentlich die
franzsische Aufklrung gewirkt, sie tat und tut es, indem sie alle
schwereren und minder angenehmen Probleme zurckschiebt, beflissen die
Gre und Wrde der Menschheit predigt, dabei eine verstandesmige und
berwiegend naturalistisch gehaltene Denkweise entwickelt, aus einer
solchen alles verwirft, ja verketzert, was ihren Rahmen berschreitet.
Kann man bei solcher Abhngigkeit von einer auf der Hhe des
Geisteslebens lngst berwundenen Denkart von geistiger Freiheit
sprechen?

Auf dem Gebiet der Lebensanschauung mag sich die Sache harmloser
ausnehmen, aber auch hier reichen die Wurzeln oft bis in das politische
Gebiet hinein. Eine besondere Gefahr fr die Freiheit aber entsteht hier
aus dem Wirken der Demagogen, der Volksumschmeichler, welche sich mit
allen Mitteln um das Gefallen des Volkes bewerben und durch seine Gunst
Einflu oder Macht zu gewinnen suchen. Das ergibt eine Denkart, die
alles Streben und Sinnen darauf richtet, den Beifall der groen Menge zu
erhalten, die sich selbst zur Unfreiheit verurteilt, aber auch
diejenigen erniedrigt, zu denen sie wirken mchte. Der bloe Mensch
beherrscht hier die Sache, das Ntzliche aber das Gute und Wahre; das
ist bloer Menschendienst, inneres Sklaventum, um es mit drren Worten
zu sagen.

       *       *       *       *       *

In verwandter Richtung wirkt zur Unfreiheit ein Mibrauch des
Gleichheitsgedankens. Die Gleichheit finden wir weder in der Natur noch
in der Kulturarbeit mit ihrer unbegrenzten Verschiedenheit. Der Gedanke
stammt vielmehr aus dem Reiche der Ideen, zunchst von der Idee Gottes,
dann von der einer allumfassenden Vernunft, die in allen Menschen wirkt
und sie zu gleichem Recht beruft. Diese beiden Ideen sind heute dem
modernen Durchschnittsmenschen sehr verblat, trotzdem ist er eifrig
bedacht, in allen Verhltnissen mglichste Gleichheit durchzusetzen, ist
er geneigt, alles, was den Durchschnitt berschreitet, als ein schweres
Unrecht, beinahe wie ein persnliches Unrecht, zu behandeln. So nimmt
eine weitverbreitete Zeitstrmung ohne weiteres Partei fr die Jngeren
gegen die lteren, fr die Schler gegen den Lehrer, fr den
Untergebenen gegen den Vorgesetzten, als sei alle Ordnung und alle Zucht
nur ein Ausflu selbstherrlicher und brutaler Gesinnung, alle Ehrfurcht
ein leeres Gerede. Alle Achtung vor einer Gleichheit, welche von der
Gesinnung des ganzen Menschen getragen wird und die alle innerlich
zusammenhlt, aber keine Achtung vor einer Denkart, welche die
Leistungen mglichst egalisieren mchte und neidisch allem Vorzug
auflauert! Dafr gilt Goethes Wort: Der schlimmste Neidhart ist in der
Welt, der jeden fr seinesgleichen hlt. Ein derartiges Egalisieren ist
keine Freiheit, sondern eine traurige Unfreiheit.

       *       *       *       *       *

Die letzte und hchste Stufe erklimmt die Unfreiheit unter dem Schein
der Freiheit in der sozialistischen Gestaltung des Staates und des
Lebens. Auch hier mssen wir uns des Miverstndnisses erwehren, als
wrdigten wir nicht die Bedeutung und das Recht der groen Probleme,
welche uns die sozialistische Bewegung mitteilt. Keine der anderen
Theorien hat so sehr die Gegenstze in sich aufgenommen und durchdacht,
welche die moderne Arbeit mit ihrer Wendung zur technischen und
fabrikmigen Arbeit erzeugt hat, keine hat so sehr den schroffen
Zusammensto von Kapital und Arbeit gewrdigt, keine hat eine so
groartige Organisation hervorgebracht, keine hat so auf dem modernen
Boden auch einen gewissen Zusammenhang der Seelen zu bewirken gestrebt.

Etwas anderes aber sind solche Probleme, etwas anderes ist die
gegenwrtige Gestaltung der politischen Verhltnisse. Hier, wo die
bisherige Oppositionsbewegung zur herrschenden Stellung gekommen ist,
und wo sie alle berkommenen Bindungen von sich abgeschttelt hat, da
hat die Unfreiheit den hchsten Gipfel erreicht. Das System des
Sozialismus erhebt die Freiheit formal zur uersten Hhe, sachlich
aber bedroht es sie mit einer vlligen Zerstrung. Hier liegt alle
Freiheit schlielich am Gesamtwillen der Menschen; da die einzelnen
Punkte -- von Gliedern kann man hier nicht wohl reden, da alle
Verbindung nur eine mechanische Zusammensetzung ist -- an diesem
Gesamtwillen in gleicher Weise teilnehmen, das scheint schon volle
Freiheit zu verbrgen. Aber von jenem Gesamtwillen besitzt jeder
Einzelne nur einen verschwindenden Bruchteil, und was immer er von
Freiheit hat, das hat er nur innerhalb des Ganzen und nach dem Mae des
Ganzen; damit kann er nie selbstndig walten, dem kann er nicht eine
selbstndige Denkweise und eigene Aufgabe entgegenstellen. Seine Partei
ist hier seine Welt, sein Lebenskreis; da das Ganze keinen Druck gegen
den Einzelnen ausbt, und da es selbst die hchste Vernunftinstanz
bildet, die Quelle alles Guten und Wahren bildet, das wird als
selbstverstndlich vorausgesetzt; da es das nicht ist, das mute
kenntlich werden, sobald die sozialistische Bewegung von der Verneinung
zur Bejahung berging und nun ihr Leistungsvermgen zu erproben hatte;
nun mute die von ihr gebte Unfreiheit aufs Schwerste empfunden werden.

       *       *       *       *       *

Es entstehen hier ungeheure Bindungen durch die Allgewalt des Staates,
der alles Leben an sich rafft, durch die ausschlieliche Unterwerfung
alles Lebens und Strebens durch das wirtschaftliche Ziel, durch die
Benutzung aller wirtschaftlichen und technischen Krfte fr die
erstrebte Sozialisierung. Das ergibt einen sehr begrenzten Lebenskreis,
der unendlich viel von den wertvollsten geistigen Gtern der Menschheit
unbedenklich preisgibt, und der eine Freiheit nur in dem Sinne einer
schroffen Verneinung kennt, ja es entsteht damit eine klgliche
Erniedrigung und Unfreiheit des ganzen Lebens, sofern alles Streben auf
das sinnliche Wohlergehen des Menschen gerichtet, alles Handeln wegen
der Sache, alles erhhende Schaffen aber verworfen, zugleich alle
inneren Probleme verkannt, alle nichtmaterialistischen Ansichten wie ein
krasser Unsinn abgelehnt werden. Wenn alles das mit seiner entsetzlichen
Unfreiheit uns als ein Werk der Freiheit aufgedrngt wird, so mu das
jeden mit Zorn und Unwillen erfllen, der Freiheit und Unfreiheit zu
unterscheiden vermag.

       *       *       *       *       *

Wir sehen: die Probleme liegen ein gutes Stck tiefer als jene
sozialistische Denkweise uns vorhlt; wir berzeugen uns zugleich, da
es wichtig ist, politische und geistige Freiheit in das rechte
Verhltnis zu bringen, inneres und gesellschaftliches Leben sowohl
miteinander zu verbinden als gengend auseinander zu halten.

Das Staatsleben fordert eine eigentmliche Selbstndigkeit, es mu sich
an den menschlichen Durchschnitt halten, es verlangt einen gewissen
Glauben an den Menschen, an sein Vermgen, an die Bedeutung seines Tuns;
wo eine schroff pessimistische Denkweise ihm das verwehrt, wie etwa bei
Hobbes und Schopenhauer, da kann das staatliche Leben keinen Reiz und
keinen Antrieb gewhren, da kann sich keine politische Freiheit
entwickeln, da entbehrt aber auch das geistige Leben wesentlicher Hilfen
und Forderungen. Wer dagegen mit Rousseau oder den Sozialisten den
Menschen als von Natur vortrefflich ausgestattet erklrt und alle
belstnde auf die gesellschaftlichen Verhltnisse schiebt, der mag viel
politischen Eifer entfalten, aber er entbehrt einer Verbindung mit dem
geistigen Leben und Schaffen, er kann daher auch weder dem politischen
Leben eine Gre noch seiner Seele eine Tiefe geben.

So gilt es, auf dem Grunde einer selbstndigen Geisteswelt ein
eigentmliches politisches Leben und eine politische Freiheit zu
entfalten und dabei weder einem flachen Optimismus noch einem mimutigen
Pessimismus zu verfallen, wohl aber einen Aktivismus der berzeugung zu
verfechten, der allen Sorgen und Nten des menschlichen Lebens eine
feste Zuversicht und eine tapfere Gesinnung entgegensetzt. Das
entspricht dem tiefsten Grund der deutschen Art, und an diesen Grund
wollen auch wir uns halten.


Druck von Richard Hahn (H. Otto) in Leipzig.




[ Im folgenden werden alle genderten Textstellen angefhrt:

	Seite 9:
	Fr die Seele unseres Volkes aber, die somit unter sich
	gegen seitig durchkreuzenden Antrieben stand,
	=> Leerzeichen entfernt: gegenseitig

	Seite 9:
	Seinen Schwerpunkt hatte das deutsche Reich in in einer
	glnzenden technischen und wirtschaftlichen Kultur,
	=> doppeltes "in" entfernt

	Seite 13:
	Hier vollzog sich ein geistiges Wunder: das Erscheinen und Durchbrechen
	eines in Gott begrndeten Lebens, als der Ouelle des persnlichen Lebens;
	=> Quelle des persnlichen Lebens;

	Seite 35:
	entbehrt aber auch das geistige Leben wesentlicherHilfen und Forderungen.
	=> Leerzeichen vor "Hilfen" hinzugefgt
]





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     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
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     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
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     License.  You must require such a user to return or
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     Project Gutenberg-tm works.

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     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
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     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
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1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
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your written explanation.  The person or entity that provided you with
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
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is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
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provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

